Liebe Orgelfreundinnen und Orgelfreunde

Alte Bekannte und neue Gesichter – so könnte das Motto unseres Jahrgangs 2026 lauten. Einer, der früh Bündner Luft geschnuppert hat – und gute Erinnerungen an unseren Kanton behalten hat, weil er hier 1992 Preisträger des Schweizer Orgelwettbewerbs war – ist Erik-Jan van der Hel aus dem holländischen Ermelo. Gespielt wurde seinerzeit auf der Orgel der Regulakirche, weil das Instrument in St. Martin in Restaurierung war. Vielleicht hat van der Hel auch deswegen die Regulakirche mit ihrer Lochner-Orgel aus dem Jahr 1745 für sein Churer Konzert ausgewählt. Fast schon Stammgäste sind die Flötistin Verena Steffen und der Organist Olivier Eisenmann. Dieser ist wohl einer der konzerterprobtesten Organisten unseres Landes und ist auf den Instrumenten aller Kontinente zuhause. Besonders bewundern wir bei ihm sein Flair für Repertoire-Raritäten und musikalische Trouvaillen.

Eine Konstante in unserer Reihe ist seit manchen Jahren das Format «Orgel, Gesang und Wein». Es singt die Sopranistin Johanna Heim, an der Orgel begleitet vom Schreibenden. Die Weine kommen vom Weingut Eichholz, präsentiert werden sie von Irene Grünenfelder. Alle drei Protagonisten sind in Jenins zuhause. Zu den neuen Gesichtern: Erstmals in Chur ist Ilja Völlmi Kudrjavtsev. Während wir diese Zeilen schreiben, verändert er sich beruflich und tauscht seine Organistenstelle an der Stadtkirche Liestal mit einer an der Stadtkirche Aarau. Dank ihm erklingt in Chur wieder einmal das Werk, das wie kein zweites auf die St. Martinsorgel zugeschnitten ist: Franz Liszts Fantasie über «Ad nos, ad salutarem 4 undam», ein grossformatiges Stück, das allein die halbe Spielzeit des Abends füllt. Die verbleibende Zeit ist Mendelssohns 4. Orgelsonate und einer freien Improvisation gewidmet. Originellerweise in diesem Zusammenhang spielt bei uns just die Organistin, die die oben genannte Stadtkirche Aarau verlassen hat. Nadia Bacchetta ist nach Solothurn gezogen, wo sie die historische spätromantische Orgel in der reformierten Stadtkirche spielt. Trotz dem halben Jahrhundert Unterschied beim Baujahr zeigt dieses Instrument eine grosse klangästhetische Nähe zur Kuhn-Orgel in St. Martin. Das mag auch daran liegen, dass beide Orgeln aus der gleichen Werkstatt stammen. Ein Organistenfreund von mir hat vorzeiten einen Jahrgang seiner Konzertreihe ausschliesslich mit Orgelduos besetzt – alle waren Ehepaare. Tatsächlich ist es kein Problem, genügend Orgelduos von Eheleuten zu finden. Nach Eva und Marco Brandazza sind erstmals Johanna und Martin Tierling-Kaiser bei uns zu Gast. Unter anderem spielen sie eine Orgeleinrichtung von Ravels Boléro. Wir sind nicht zuletzt gespannt auf den Vergleich mit Nadia Bacchettas Interpretation des gleichen Stücks, das sie allerdings allein bewältigt. Als Premiere dürfen wir schliesslich Helmut Freitag begrüssen. Gebürtig aus Bad Kreuznach an der Nahe, pendelt er heute zwischen Saarbrücken, wo er auf akademischer Ebene lehrt, und Interlaken. Er hat uns ein Programm mit Toccaten in Aussicht gestellt; wir dürfen uns also auf ein virtuoses Konzert freuen. Auch eine Orgelführung wollen wir dieses Jahr wieder anbieten. Dabei denken wir in erster Linie an unsere jungen Orgelinteressierten. Selbstverständlich dürfen sie aber auch ihre Eltern mitnehmen. Damit wünsche ich Ihnen, liebe Orgelfreundinnen und Orgelfreunde, eindrückliche Konzerterlebnisse.

Stephan Thomas

Programm 2026, Flyer